Test: Cloudserver-Hoster FarnoX.de

Vor kurzem wurde ich via E-Mail auf den Serverhoster FarnoX.de aufmerksam gemacht. Aus eigenem Interesse habe ich ihn mir einmal genauer angesehen und einige Tests auf einem zur Verfügung gestellten Testserver durchgeführt. Kann sich der Hoster gegenüber der Konkurrenz behaupten?

Der Beitrag bildet nur den Stand vom 26. April 2017 ab und ist nicht zwingend auf das aktuelle Datum übertragbar! So kann sich z.B. die Serverleistung inzwischen geändert haben.

Leistung

FarnoX.de bietet jedem Interessenten 7 Tage lang einen kostenlosen Testserver an. Mein Server hatte folgende Konfiguration:

  • 1 vCore
  • 512 MB RAM
  • 10 GB SSD

Für den Benchmark kam die Phoronix Test Suite in Version 7.0.1 zum Einsatz.

CPU

Um einen einfachen Vergleich zu den Servern von Active-servers.com und Servercow machen zu können, habe ich mein sysbench-Kommando aus den jeweiligen Erfahrungsberichten auch auf dem FarnoX-Testserver ausgeführt:

sysbench --test=cpu --num-threads=1 --cpu-max-prime=20000 run

Die benötigte Zeit von 16,4 Sekunden war fast auf hundertstel Sekunden exakt reproduzierbar. Der gemessene Wert ist hervorragend: Bei Servercow erreicht man auf schnellen Hosts nur ca. 22 Sekunden, bei Active-Servers.com zum Zeitpunkt meines letzten Tests ca 25 Sekunden.

Zusätzlich zum Sysbench-Test habe ich auf die bewährte Phoronix-Testsuite zurückgegriffen und einen GZIP-Benchmark (pts/compress-gzip-1.1.0) ausgeführt, anhand dessen sich die CPU-Leistung ebenfalls bewerten lässt:

Ergebnis:
(2 GB file gzip compression):  15.0 Sekunden

RAM

In meinen letzten vServer Testberichten habe ich die RAM-Leistung nicht bewertet. Da die Phoronix-Testsuite aber auch einen RAM-Leistungstest (pts/ramspeed 1.4.0) beinhaltet, habe ich diesen kurzerhand laufen lassen und bin auf folgende Ergebnisse gekommen:

Type: Copy
Benchmark: Integer
Ergebnis: 12701.43 MB/s

Type: Add
Benchmark: Integer
Ergebnis:  14526.63 MB/s

SSD

Die Leistung des SSD-Speichers habe ich mit dem Phoronix-Benchmark pts/fio-1.9.0 getestet.

Benchmark-Einstellungen:

  • IO Engine: Libaio
  • Buffered: No
  • Direct: Yes
  • Block Size: 4KB

Ergebnisse:

Random Read:        690 MB/s        |   172533 IOPS
Random Write:       655 MB/s        |   163873 IOPS
Sequential Read:    847.91 MB/s     |   211975 IOPS
Sequential Write:   797.91 MB/s     |   199474 IOPS

Netzanbindung

Die Leistung der Internetanbindung habe ich mithilfe des starken Tele2 Speedtest-FTP-Servers überprüft (Siehe auch Beitrag: Bandbreite der Internetanbindung auf Linux-Servern via Kommandozeile testen). Um den FTP-Server als Flaschenhals auszuschließen, habe ich gleichzeitig auf meinen Servercow-Sevrern denselben Test ausgeführt.

FarnoX.de garantiert keine Mindestgeschwindigkeit. Auf Nachfragen wurde mir zugesichert, dass in der Praxis 1 GBit/s aber kein Problem sein sollte.

Download:

Die erzielbare Download-Rate ist zwar für Server weniger wichtig als die Upload-Rate, aber trotzdem nicht zu vernachlässigen. Wer will schon lange auf Softwareinstallationen oder größere Uploads auf den Server warten? Die Downlink-Leistung habe ich an mehreren Tagen zu verschiedenen Uhrzeiten mit dem folgenden Kommando getestet:

curl ftp://speedtest.tele2.net/1GB.zip -o /dev/null

Beim Download der 1 GB großen Testdatei konnte ich in den Einzeltests zwischen 16 MBit/s und 800 MBit/s verschiedenste Werte messen. Als Tagesdurchschnitte aus den Einzeltests habe ich folgende Übertragungsgeschwindigkeiten im Download ermittelt:

21. April:   Ø 800 MBit/s
22. April:   Ø 128 MBit/s
23. April:   Ø 464 MBit/s
24. April:   Ø 592 MBit/s

Die erreichte Geschwindigkeit war nicht nur an verschiedenen Tagen sehr unterschiedlich, sondern auch von Einzeltest zu Einzeltests. Ob nun gerade viel oder wenig Bandbreite zur Verfügung steht, ist von Sekunde zu Sekunde offenbar sehr verschieden. 1 GBit/s konnte ich annähernd nur selten erreichen.

Upload:

Ganz ähnlich sieht es beim Upload aus:

curl ftp://speedtest.tele2.net/1GB.zip -o speedtest.zip
curl -T speedtest.zip ftp://speedtest.tele2.net/upload/

21. April:   Ø 230 MBit/s
22. April:   Ø 78  MBit/s
23. April:   Ø 208 MBit/s
24. April:   Ø 53  MBit/s

Auch hier streut die erzielte Leistung sehr stark, sodass man sich nicht auf hohen Durchsatz verlassen kann. Zudem habe ich ein Einbrechen der Upload-Rate nach einigen Sekunden beobachtet, sodass die Datenrate zu Ende des Tests teilweise sogar ~ 160 MBit/s niedriger war, als noch zu Beginn.

Die geringen Datenraten und ein Einbrechen selbiger konnte ich während meiner Tests auf meinen Servercow.de Servern nicht nachvollziehen - Hier wurden die erwarteten Datenraten erreicht.

Ping:

Die Ping-Latenzen sind völlig okay. Zu Google.de: 0.6 ms. Bedingt durch den günstigen RZ-Standort Frankfurt am Main in der Nähe des DE-CIX sind allgemein gute Latenzzeiten zu erwarten.

IPv6 Unterstützung

FarnoX ordnet standardmäßig jedem vServer ein eigenes IPv6-Netz zu, sodass einem mehr als genug IPv6-Adressen zur Verfügung stehen. Nach einer Debian-Installation auf dem Server muss IPv6 allerdings manuell eingerichtet werden.

Reverse DNS

Reverse-DNS Einträge können vom Kunden derzeit noch nicht selbstständig eingerichtet werden. Eine entsprechende Benutzerschnittstelle ist aber in Arbeit. Bis zur Fertigstellung können rDNS-Records über den Support angefragt werden.

Traffic-Volumen

Jedem der verfügbaren vServer ist ein Traffic-Volumen zugeordnet. Auf Nachfrage (und weil mir beim Testserver kein verbrauchter Traffic angezeigt wurde) wurde mir erklärt, es gäbe aktuell noch kein Limit, das tatsächlich durchgesetzt würde. Vielmehr hätte jeder Kunde noch die Freiheit, unbeschränkt viel Traffic zu generieren. Eine Beschränkung (vermutlich in Form einer Drosselung) würde langfristig angestrebt.

FarnoX Cloudserver-Verwaltung

Vertrag / Angebot

FarnoX.de gibt bei seinen Servern zwei Preise an: Einen Stundenpreis und einen Monatspreis. Regulär wird der Stundenpreis berechnet: Wer einen Server nur 24 Stunden lang nutzt und dann löscht, zahlt auch nur diesen Zeitraum in Stundentaktung. Erreicht ein Server eine Lebenszeit von einem Monat, wird stattdessen der günstigere Monatspreis herangezogen und in Rechnung gestellt. Wer die Server des Anbieters zuerst testen möchte, kann für 7 Tage einen kleinen, kostenlosen Testserver anfordern. Mehr als eine E-Mail Adresse ist dazu (noch) nicht notwendig. Der Server steht (wie auch alle anderen) innerhalb von einer Minute bereit.

Als Zahlungsmittel werden Kreditkarten, PayPal, Lastschrift und Banküberweisung akzeptiert.

Abseits der angebotenen Serverpakete können auch individuell konfigurierte Server über den Support angefordert werden. Ein entsprechender Hinweis auf der Website fehlt leider.

Rechenzentrum / Technik

Meinen Recherchen zufolge nutzt FarnoX.de eigene Hardware im Interwerk-Rechenzentrum in Frankfurt und greift dabei anscheinend auf das Colocation-Angebot von Active-Servers.com zurück. Das bedeutet: Eigene Hardware im Netz von Active-Servers.com und damit betrieben mit 100% Ökostrom der Firma “Lichtblick”.

Die Server werden via KVM virtualisiert und sind damit vollwertige virtuelle Maschinen ohne Einschränkungen bzgl. Kernel. FarnoX bietet seine Server mit CentOS, Fedora, Debian und Ubuntu an. Soll ein spezielles ISO zur Installation verwendet werden, kann dies über den Support angefragt werden.

Auf Anfrage habe ich erfahren, dass FarnoX eine Erreichbarkeit von 99,97 % im Jahr garantiert. Das sollte für die meisten Szenarien im privaten Umfeld absolut ausreichend sein. Überprüfen konnte ich das innerhalb des kurzen Testzeitraums selbstverständlich nicht. Unglücklicherweise war mein Server zwar für eine Stunde nicht erreichbar, aber das lässt sich freilich nicht auf das ganze Jahr hochrechnen.

Dem Kunden zugängliche Backups der virtuellen Server gibt es übrigens nicht. Ich gehe davon aus, dass der Anbieter zwar eine funktionierende Desaster Recovery hat, trotzdem ist es nicht möglich, selbst Sicherungen zu erstellen und als Image herunterzuladen (wie bei Servercow.de).

Sicherheit

Details zur Zugangssicherheit im “Interwerk”-Rechenzentrum können auf der Firmenhomepage nachgelesen werden. Was die informationstechnische Sicherheit angeht, habe ich leider ein paar Mängel festgestellt, die meinen Eindruck etwas trüben:

  • Zur Änderung des Passworts muss das aktuelle Passwort nicht angegeben werden
  • Zwei-Faktor-Authentifizierung wird nicht angeboten
  • Die Remote-Konsole im Webbrowser verbindet sich unverschlüsselt zum Zielserver (inzwischen behoben!)

Während ich die ersten beiden Punkte weniger kritisch sehe, sehe ich bei der unverschlüsselten Remote-VNC-Konsole einen großen Sicherheitsmangel, der sofort behoben werden sollte! Der Hoster ist diesbezüglich bereits kontaktiert.

Update am 26.04.2017 um 15:18: Der Hoster hat die Schwachstelle bei der Remote-Konsole behoben und die Verbindung wird nun verschlüsselt.

Sonstiges

Website

Die Website ist einfach und konsistent gehalten und bietet nicht viel Gelegenheit, sich zu verlaufen. Leider könnte man auch sagen, der Webauftritt sei etwas “zu” einfach gehalten. Nicht alle Fragen, die ich als Neukunde hatte, konnten durch Recherche auf der Site beantwortet werden, z.B. “Was passiert, wenn ich das angegebene Traffic-Volumen überschreite?”, “Kann ich zusätzliche IPv4-Adressen buchen?”, “Welche Verfügbarkeit kann garantiert werden?”.

FarnoX Kundencenter

Support

Der Erfolg eines Hosters steht und fällt mit dem Support. Egal, ob es nur Fragen gibt oder ob ein Eingriff wegen technischer Probleme notwendig ist: Der Support sollte innerhalb eines angemessenen Zeitfensters (ggf. innerhalb von Minuten) antworten und je nach Komplexität des Problems eine Lösung anbieten können. Bisher ergab sich für mich noch keine Gelegenheit, die Reaktion auf techn. Probleme zu testen - Eine E-Mail mit einigen Fragen zum Angebot wurde aber innerhalb von 46 Minuten beantwortet. Das ist kein Bestwert - allerdings sei hierzu angemerkt, dass meine Fragen nicht dringlich waren und die Reaktionszeit für diese Art von Anfrage daher völlig okay. Alle Fragen wurden so beantwortet, wie ich das als Kunde erwarte. Ich würde mir dennoch ein Ticket-System in der Weboberfläche wünschen, über die ich alle Anfragen gesammelt einsehen kann, um besser den Überblick zu behalten. Außerdem könnte man ggf. vertrauliche Daten dem Hoster direkt zukommen lassen, statt sich möglicherweise auf dritte (Mailprovider) verlassen zu müssen.

Fazit

Ich bin mit hohen Erwartungen an den Test herangegangen und wurde bezüglich der verfügbaren Systemleistung nicht enttäuscht: CPU, RAM und SSD sind leistungsstark und erfüllen meine persönlichen Anforderungen an einen vServer der Preisklasse. Ein schneller vServer ist dank Automatisierung und Cloud-Infrastruktur schnell online. Schade, dass im Bereich Internetanbindung deutliche Abstriche gemacht werden müssen: Bisher gibt es zwar keine Volumenbegrenzungen, doch die schwachen Up- und Downloadraten trüben den Gesamteindruck. Hier und da macht es noch den Anschein, als sei der Hoster gerade erst gegründet worden, was sich während des Tests z.B. durch kaputte Links in E-Mails oder temporäre Nichtverfügbarkeit der Homepage/Verwaltung durch abgelaufene TLS-Zertifikate äußerte. Auch in Sachen Kundeninformation ließe sich beispielsweise der FAQ-Bereich noch ausführlicher gestalten. Ein Ticket-System für Bestandskunden ist wünschenswert. Es gibt also noch Optimierungsbedarf. Die Kernaufgabe “schnell und einfach einen Cloudserver online bringen” meistert man bei FarnoX jedoch sehr gut.

Stärken

  • Möglichkeit, sehr schnell einen Server online zu nehmen
  • Starke Systemleistung (CPU, RAM, SSD)
  • Abrechnung in Stundentaktung möglich - ideal für kurzfristige Projekte
  • Ökostrom

Schwächen

  • Netzwerk-Performance ins Internet mittelmäßig: Datendurchsatz nicht wie erwartet, stark schwankende Datenrate, keine garantierte Bandbreite.
  • Zum Teil nachlässiger Umgang mit dem Thema “Sicherheit”: Fehlende 2FA, keine Passwortverifizierung bei Änderung, Klartext-Passwörter in nicht verifizierbarer E-Mail (PGP?)

Anregungen

Wenn das Erstellen von neuen Servern schon so schnell passiert, und auch individuelle Server angeboten werden können, wäre für mich die logische Folge, dem Kunden “ein paar Schieberegler” anzubieten, mit dem er sich ganz einfach schnell seinen Wunschserver konfigurieren und starten kann. Der Weg zu einer individuellen Konfiguration führt aktuell noch über den Support-Weg.


FarnoX kann ich wegen der Stunden-getakteten Abrechnung und des schnellen, unkomplizierten Buchungsprozesses vor allem Entwicklern und Testern empfehlen, die für einen begrenzten Zeitraum einen vServer benötigen.


Offenlegung: FarnoX.de hat mich gebeten, mir ihr Angebot einmal anzusehen und es auszuprobieren. Den Test habe ich freiwillig und ohne jegliche Vorteilnahme aus Eigeninteresse durchgeführt.