Meine Erfahrungen mit dem Server-Hoster servercow.de


Kürzlich habe ich euch gefragt, welchen Hoster ihr mir empfehlen könnt. Meine Anforderungen waren:

  • KVM-Virtualisierung
  • 100% Ökostrom
  • Kompetenter und schneller Support
  • Gute Verfügbarkeit
  • Mindestens 100 MBit/s Upstream
  • Gutes Preis- / Leitungsverhältnis
  • Flexible, individuelle Anpassung der Serverressourcen
  • Eigene Images nutzbar
  • Unternehmens- und Serverstandort Deutschland

In den Kommentaren zu dem Beitrag wurde mir unter anderem Servercow.de vorgeschlagen. Ich habe mich ein wenig auf der Webpräsenz des Unternehmens umgesehen und war ziemlich schnell interessiert. Alle meine Anforderungen waren erfüllt und ich habe mir zunächst einen Testserver bereitstellen lassen, den ich nun auch fest gebucht habe. Hier will ich euch von meinen ersten Eindrücken und Erfahrungen mit Servercow.de erzählen.

CPU

In den KVM-Hosts von Servercow sind Intel E5-2620 Prozessoren verbaut, sodass die Leistung eines jeden vCores der VM in etwa der Leitung eines Intel E5-2620-Cores entspricht. Der Prozessor gehört zwar nicht zu den stärksten Modellen, allerdings dürfte die Rechenleitung für durchschnittliche Zwecke ganz gut ausreichen. Die Leistung eines einzelnen vCores habe ich mit dem sysbench-Tool im Single-Thread-Modus überprüft. Die Berechnung der Primzahlen bis 20.000 hat mit folgendem Kommando:

sysbench --test=cpu --num-threads=1 --cpu-max-prime=20000 run

35,5 Sekunden gedauert. Kein Bestwert, aber noch okay. Zum Vergleich: Dieselbe Berechnung dauert auf einem vCore des Anbieters “active-servers.com” 10 Sekunden kürzer.

Update am 10.03.2017: Inzwischen hat sich die Leistung auf manchen Hosts verbessert: Teilweise ist Servercow Active-Servers mit 22 Sekunden Laufzeit sogar um 3 Sekunden voraus.

Wenn die Leistung eines vCores nicht ausreicht, ist es kein großes Problem, einfach noch einen weiteren Core hinzuzubuchen, denn im Gegensatz zur Konkurrenz verlangt Servercow für jeden vCore einen guten Preis. Grob überschlagen kostet ein Core hier unter einem Euro pro Monat, während die Konkurrenten sich an der Stelle deutlich mehr zahlen lassen. Die leistungsschwächeren Cores kann man durch eine höhere Anzahl selbiger also ganz gut ausgleichen, ohne dass es im Gesamten teurer wird.

RAM

Auch RAM ist preiswert zu haben. Während einige Hoster sehr mit RAM knausern oder an dieser Stelle besonders abkassieren, kann man bei Servercow zu guten Preisen mehr RAM bekommen. Mehr kann ich zum Thema RAM eigentlich nicht sagen ;)

Festspeicher

Bei den primären Festspeichern für die vServer setzt Servercow auf lokale RAID-60 aus mindestens 16 SSDs. Das bringt nicht nur Ausfallsicherheit mit sich, sondern auch sehr starke Performance, wie sich bei meinem kleinen Benchmark gezeigt hat:

  • Lesen: 1100 MB/s
  • Schreiben: 1000 MB/s

Getestet wurde via dd: Festplatten-Geschwindigkeitstest | ubuntuusers.de

An der SSD-Leistung gibt es für mich absolut nichts auszusetzen - ganz im Gegenteil: Ich bin positiv überrascht. Zusätzlich zu dem SSD-Speicher gibt es zu jedem vServer 150 GB HDD-Speicher im RAID-5 dazu, der via Samba und FTP (auf Wunsch auch NFS) eingebunden werden kann. Diesen Speicher kann man beispielsweise für Backups der SSD-Daten nutzen oder zur direkten Speicherweiterung nutzen.

Der HDD-Speicher ist deutlich langsamer:

  • Lesen: 95 MB/s
  • Schreiben: 93 MB/s

Ich habe an dieser Stelle mit etwas besserer Performance gerechnet - allerdings sind die HDDs wohl wirklich eher für Backups gedacht. In dem Fall reicht die Leistung aus. Was die Speicherverteilung (SSD / HDD) und -Anbindung angeht, ist man bei Servercow übrigens sehr flexibel: Freundlicherweise wurde mir ohne Aufpreis mehr SSD-Speicher zugeteilt, weil das Einbinden des HDD-Speichers mit meinem Setup problematisch war. Das ist keine Selbstverständlichkeit.

Internet-Anbindung und Trafficvolumen

Die virtuellen Maschinen verfügen (unabhängig von gewähltem Paket oder eigener Zusammenstellung) über eine 1 GBit/s -Anbindung, die nicht nur so heißt, sondern tatsächlich auch wie eine solche genutzt werden kann. Einige Hoster sprechen zwar von einer 1 GBit/s Netzwerkkarte, drosseln Verbindungen ins Internet dann aber auf 100 MBit/s sodass man in der Praxis nur innerhalb des Hoster-Netzes mit Gigabit-Geschwindigkeit arbeiten kann. Doch bei Servercow bekommt man das volle Programm und die Bandbreite zum Internet-Backbone kommt nahe an das theoretische 1 GBit/s Limit heran. So eine Anbindung für einfache vServer (und auch noch ohne Aufpreis!) bekommt man nur selten.

Auch beim Thema Trafficvolumen bekommt man ungewöhnliches geboten: Eine echte Flatrate! Es gibt zunächst einmal keine Grenze, keine Drosselung. Im Control Panel wird angezeigt, wie nahe man einem Terabyte Datenvolumen ist. Es wird darauf hingewiesen, dass es sich bei der 1 TB-Markierung nicht um ein Limit handelt, sondern nur um eine Kontrollgrenze für den Hoster. Man muss vermutlich damit rechnen, dass beim Erreichen der Grenze mal genauer nachgefragt wird, welche Dienste man denn auf seinem Server betreibt und ob man den Traffic ggf. nicht reduzieren könnte. In wie weit das Versprechen “Flatrate” in der Praxis tatsächlich eingehalten wird und ob man bei 2 TB in Schwierigkeiten kommt, kann ich euch leider nicht sagen. Vermutlich hängt das auch davon ab, wie viel Datenvolumen alle anderen Kunden zur selben Zeit verbraten. Ich denke, ich werde es auch nicht unbedingt darauf ankommen lassen ;) Normalerweise reicht ja auch ein TB pro Monat aus. Jedenfalls hat das Angebot etwas von “Hier hast du Gigabit. Nutze es, aber nutze es nicht aus.” - finde ich fair.

Zum Thema Traffic sei noch erwähnt, dass Servercow besonders Traffic-lastige Software auf den Servern nicht erlaubt. Darunter fallen z.B. TOR und Download-Portale - also Software, die für einen konstant hohen Traffic verantwortlich ist. Da ich nur Serverdienste im normalen Umfang betreibe und nicht Spamme oder permanent streame, stört mich das nicht. Was im Einzelfall erlaubt ist oder nicht, fragt man am besten direkt den Support. Möglicherweise kann man ja z.B. über den Betrieb eines gedrosselten TOR Relays verhandeln ;)

Zu jedem vServer gibt es übrigens eine IPv4-Adresse und 5 IPv6-Adressen, wobei man aber auf Anfrage “beliebig viele” (gemeint ist wohl eher “sehr viele”) weitere IPv6-Adressen kostenfrei bekommen kann - die gibt es schließlich ohne Ende. Zusätzliche IPv4-Adressen kosten extra.

RZ / Technik

Mittlerweile setzen einige Hosting-Anbieter auf 100% Ökostrom - so auch Servercow. Der alleinige Betrieb mit Ökostrom war für mich eine Grundvoraussetzung: Ohne geht nicht. Wenn ich schon Strom verheizen muss, dann doch wenigstens CO2-neutral. Das Rechenzentrum von Servercow wird von meerfarbig.io in Frankfurt am Main betrieben. Ein DDoS-Schutz für alle Servercow-Kunden wurde Mitte Januar aktiviert. Vom Support habe ich erfahren, dass das RZ ständig weiter ausgebaut wird und man dadurch ein starkes IP-Backbone anbieten könne. Das starke Netz kann ich bestätigen.

Support

Der Erfolg eines Hosters steht und fällt vor allem mit dem Support. Meiner Erfahrung nach wird auf E-Mails und Support-Tickets zügig, freundlich und engagiert reagiert. Zusammengeklickte Textbausteine hat man hier nicht zu befürchten.

Control Panel

Über das Web-basierte Servercow Control Panel kann man den aktuellen Serverstatus einsehen und verschiedenste Einstellungen rund um den Server vornehmen. Neben den Standardfunktionen wie “Server Start / Stop” und den Booteinstellungen kann man auch selbstständig Reverse-DNS-Einträge für die eigenen IP-Adressen anlegen. Bei den meisten Hostern muss dazu der Support kontaktiert werden. Außerdem kann die Auslastung des KVM Hosts abgelesen werden, sodass man überprüfen kann, ob das Hostsystem tatsächlich nicht überbucht ist (Servercow gibt das Versprechen, die Hosts nicht zu überbuchen, sodass jeder Kunde jederzeit die volle Leistung seiner VM abrufen kann).

Für den direkten Zugriff auf die VM kann man sich mit einem externen VNC-Client zu seinem Server verbinden, oder man nutzt alternativ den HTML5-basierten VNC-Client “NoVNC” aus dem Control Panel. Auch eine Java-basierte Lösung steht bereit. Für die Betriebsystem-Installation liegen bereits die populärsten Linux-ISOs (z.b. für CentoOS, Ubuntu Server, Debian, Arch Linux …) bereit. Sollte die gewünschte Distribution nicht vorhanden sein, kann man den Support kontaktieren und die ISO bereitstellen lassen.

Einziger Kritikpunkt an der Weboberfläche ist die Tatsache, dass sie etwas zerstückelt ist. Als Neukunde findet man sich nicht gleich zurecht und muss sich viel von Seite zu Seite durchklicken. Das könnte man noch etwas besser zusammenfassen und ein einziges, kompakteres Interface für alle Aspekte bereitstellen.

Zahlung und Vertragliches

Bezahlt werden kann via PayPal, SEPA-Banküberweisung oder Bitcoin (!). Eine Bezahlung mittels Lastschriftverfahren ist gerade in der Testphase und wird bald angeboten. Neben der monatlichen Abrechnung kann man seinen Server auch über den Zeitraum von 3 Monaten abrechnen lassen. Wer sich für den größeren Abrechnungszeitraum entscheidet und dem Anbieter so Planungssicherheit ermöglicht, wird mit einem Rabatt belohnt. Den Zeitraum von 3 Monaten finde ich sinnvoll gewählt.

Bei der Ressourcenverteilung seines Servers kann man kreativ sein: Es gibt zwar vorgefertigte Serverpakete auf der Website, allerdings kann man sich auch sein individuelles Serverpaket schnüren. Man bekommt dann genau die Ressourcen, die man für sein Projekt benötigt. Die Ressourcen können in Rücksprache mit dem Support flexibel während des Abrechnungszeitraums angepasst werden.

Bevor ein Server verbindlich bestellt wird, kann das Wunschsystem für bis zu 7 Tage ausführlich getestet werden. So kann man sichergehen, dass man bekommt, was man erwartet. Eine Kündigungsfrist für laufende Verträge gibt es nicht. Sollte der Server 7 Tage nach der Rechnungsstellung noch nicht für den nächsten Abrechnungszeitraum bezahlt worden sein, wird er abgeschaltet. Die VM bleibt weitere 21 Tage gespeichert, bevor sie gelöscht wird.

Mein Fazit

Ich bin zwar noch neu bei Servercow, dennoch habe ich schon einen guten Einblick gewonnen - und was ich sehe, gefällt mir sehr gut: Ökostrom, gute Leistung zu guten Preisen, Flexibilität, freundlicher, kompetenter und schneller Support. Einzig die etwas schwachen CPUs und die anfangs unübersichtliche Weboberfläche bleiben zu bemängeln. Aber vielleicht wird diesbezüglich ja auch bald aufgerüstet. Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich zwar noch kein umfassendes Fazit ziehen, aber ich denke, ich habe einen neuen Hoster gefunden, der meine Ansprüche auf jeden Fall erfüllt (teils sogar übertrifft) und bin gespannt auf alles weitere, was mich bei meinem neuen Hoster erwartet. Dieser Blog läuft übrigens schon auf einem der beiden neuen Server :)

Übrigens… Auch Malte Schmidt hat zu Servercow.de schon seine Meinung geäußert. Nachzulesen hier: https://maltris.org/servercow-de-review-vserver-und-netzwerkspeicher-test-6966.html

Update am 3.4.2016: Die Zahlungsmethode “Bitcoin” wurde wegen Problemen mit dem Zahlungsdienstleister “BitPay” wieder zurückgezogen. Es bleiben derzeit die Zahlung via PayPal und Banküberweisung.

Update am 08.05.2016: Nach einem Stromausfall im Rechenzentrum hat der Anbieter die Funktion zur eigenständigen Backup-Wiederherstellung aktiviert. Vollsicherungen des vServers werden von nun an durch Servercow automatisch und regelmäßig (alle 2 Tage) erstellt. Bei Bedarf kann auch eine manuelle Sicherung ausgelöst werden. Der Server muss für ein Backup nicht heruntergefahren werden.

Update am 16.06.2016: Die Zahlungsmethode “Bitcoin” via Bitpay ist wieder verfügbar.

Update am 05.01.2017: Auch Servercow.de ist in der Zwischenzeit nicht von Ausfällen verschont geblieben. Trotzdem bin ich hochzufrieden mit dem Anbieter! Die Ausfälle hielten sich bisher stark in Grenzen und wurden teils auch entschädigt, obwohl dies vertraglich nicht vereinbart war.